Konfliktmanagement - Konflikten vorbeugen, sie erkennen und lösen

Konfliktmanagement - Konflikten vorbeugen, sie erkennen und lösen

 

 

 

von: Heinz Jiranek, Andreas Edmüller

Haufe Verlag, 2008

ISBN: 9783448068146

Sprache: Deutsch

395 Seiten, Download: 2027 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

geeignet für: Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen PC, MAC, Laptop
Typ: A (einfacher Zugriff)

 

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Konfliktmanagement - Konflikten vorbeugen, sie erkennen und lösen



11 Konfliktlösung in der Praxis: Zusammenarbeit mit dem Vorgesetzten (S. 212-213)

11.1 Worum geht es?

Im vorletzten Kapitel haben wir beschrieben, welche Möglichkeiten zur Unterstützung der Konfliktbearbeitung ein Vorgesetzter in der Rolle des Initiators, des Beraters und des Begleiters hat. Im letzten Kapitel stand die Rolle des Konfliktmanagers im Mittelpunkt. Der Konfliktmanager steht in keinem hierarchischen Verhältnis zu den Konfliktparteien. Er sollte zugezogen werden, sobald der Konflikt eine bestimmte Eskalationsstufe erreicht bzw. überschritten hat.

Sein Vorgehen, speziell die Bandbreite seiner Interventionen, haben wir mittels eines ausführlichen Beispiels erläutert. In diesem Kapitel geht es um drei Themen, sie sollen das Verständnis der Rolle des Konfliktmanagers weiter vertiefen und abrunden: Erstens machen wir Vorschläge für das Vorgehen bei Konflikten, die das Stadium „Jeder soll sehen, was der Andere für ein Schuft ist!" bzw. „Wer nicht hören will, muss fühlen!" erreicht haben. Zweitens sollen zentrale Aspekte der Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und externem Konfliktmanager beleuchtet werden. Drittens werden die Entscheider- und Schlichterrolle skizziert.

11.2 Der Vorgesetzte als „disziplinarische Macht"

Im folgenden Beispiel haben wir es mit einem Konflikt zu tun, der sehr weit fortgeschritten ist. Um das Konfliktgeschehen zu entschleunigen, reichen die Mittel der Konfliktparteien und des Konfliktmanagers alleine oft nicht mehr aus. Deshalb ist es sinnvoll, in solchen Fällen die disziplinarische Macht des Vorgesetzten wohl überlegt und wohl dosiert einzusetzen, dem Konfliktsystem also von außen „Bremsenergie" zuzuführen.

Beispiel:

Die Firma Sunshine ist stolz auf ihre lange und erfolgreiche Projekttradition. Gerade wird eine neue Fertigungsanlage für sehr schwierig herzustellende Produkte in Rekordzeit „hingestellt". Projektleiter ist Herr Albert, ein Ingenieur. Das Projekt befindet sich allerdings in einer sehr kritischen Phase. Es gibt nämlich massivste Störungen im Projektteam und in dessen Leitung. Herr Albert und Frau Stolze, sie ist Leiterin der Qualitätskontrolle, „bekriegen sich bis aufs Messer". Frau Stolze ist nicht Herrn Albert unterstellt, das soll die Unabhängigkeit der Qualitätskontrolle sichern. Immer wieder prallen die beiden aufeinander.

Das Projektteam ist längst in zwei Lager gespalten, das größere steht hinter Herrn Albert. Beide haben schon die Geschäftsführung informiert. Herrn Alberts Vorwürfe an Frau Stolze: Sie sei fachlich überfordert verstehe den Teamgedanken nicht, sei als Führungskraft fehl am Platz, sehe sich selbst in der Rolle des „Qualitätskommissars" (der Begriff „stalinistisch" fiel auch schon), der offensichtlich vor allem Kollegen zu schikanieren habe, sei unehrlich und kapiere nicht, was das Wort „Vereinbarung" bedeutet. Frau Stolzes Vorwürfe an Herrn Albert hören sich ähnlich „schmeichelhaft" an: Ihm gehe es nur um Termine, die Qualität sei ihm egal, er wolle mit allen Mitteln, vor allem unsauberen, das Qualitätsmanagement aushebeln, um sein Budget und seinen Zeitplan einzuhalten, sein Führungsstil spalte das Team, er sei als Projektleiter hoffnungslos überfordert, „klare Linie" sei für ihn ein Fremdwort.

Beide Konfliktparteien haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie kompetente Fachleute sind, auch ihre jeweiligen Führungsrollen haben sie immer gut ausgefüllt. Die Geschäftsführung hat jetzt aber Angst, dass das Projekt in ernste Gefahr gerät. Mit jedem Tag geht es zäher voran, der Konflikt ist dabei, wie ein Krebsgeschwür das Gesamtprojekt zu zerstören. Ein Fall für Herrn Weiß, den Konfliktmanager!

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